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Ein Ball kratzt am Glas, ein Spieler hebt den Schläger, und plötzlich läuft die Zeitlupe auf der Videowand. Der Video Review im Padel gehört auf der Profitour längst zum Alltag. Trotzdem kennen die wenigsten die Regeln dahinter, und ehrlich gesagt ging mir das lange genauso. Ich erkläre dir, wie der Padel-VAR abläuft, wie viele Anfragen ein Paar hat, was überprüft werden darf und warum Padel anders als Tennis weiter auf den Menschen auf dem Stuhl setzt.
Beim Video Review im Padel lässt ein Paar eine strittige Entscheidung per Kamera überprüfen. Bei Premier Padel ist das System auf dem Center Court von Majors und P1-Turnieren Pflicht, bei P2 empfohlen. Jedes Paar hat zwei falsche Anfragen pro Satz, richtige Anfragen werden nicht abgezogen. Ein Review Official prüft die Bilder, der Stuhlschiedsrichter bestätigt oder korrigiert seinen Ruf. Die Entscheidung ist endgültig.
Der Video Review im Padel ist ein elektronisches Überprüfungssystem, das den Stuhlschiedsrichter bei strittigen Entscheidungen unterstützt. Im Regelwerk von Premier Padel heißt er „VAR System“, auf Spanisch Revisión de Vídeo. Im Kern funktioniert er wie ein Challenge-System: Ein Paar fordert die Überprüfung an, die Aufnahme entscheidet.
Interessant ist, worum es dabei meistens geht. Am häufigsten sind zwei Situationen: ob der Ball vor dem Glas im Feld war und ob ein Spieler das Netz berührt oder auf die andere Seite gegriffen hat. Genau das sind die typischen Padel-Entscheidungen, die selbst aus zwei Metern Entfernung kaum sicher zu treffen sind. Welche Fälle an Glas und Gitter überhaupt strittig werden können, erklären wir ausführlich in den Padel Regeln an der Wand.
Video Review im Padel gibt es nur bei Profiturnieren mit entsprechender Technik. Das Premier Padel Rulebook 2026 schreibt das System für den Center Court im Hauptfeld aller Majors und P1-Turniere vor. Bei P2-Turnieren ist es nur empfohlen.
| Turnierebene | Video Review | Wo? | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Premier Padel Major | Pflicht | Mindestens Center Court, Hauptfeld | Paris Major auf Roland-Garros |
| Premier Padel P1 | Pflicht | Mindestens Center Court, Hauptfeld | Milano P1 |
| Premier Padel P2 | Empfohlen | Center Court, wenn vorhanden | Germany P2 in Düsseldorf |
| Hobby, Liga, Clubturnier | Nein | Keine Technik vorhanden | Americano im Club |
Auch in Deutschland hast du das System schon live sehen können: Beim Premier-Padel-Turnier in Düsseldorf spielt die Weltspitze seit 2025 im Herbst. Termine und Tickets stehen in unserem Beitrag zu Premier Padel Düsseldorf, wie die gesamte Profitour aufgebaut ist, liest du im Überblick zu Premier Padel.
Ein Video Review im Padel dauert meist weniger als eine Minute und folgt immer demselben Ablauf. Wichtig ist das Timing: Die Anfrage muss sofort kommen.
Der Spieler zeigt dem Stuhlschiedsrichter sofort an, dass er eine Überprüfung will, mit Worten oder einem klaren Zeichen mit Schläger, Arm oder Hand. Erlaubt ist das nach dem letzten Schlag eines Ballwechsels oder indem er das Spiel unterbricht. Einen Return darf er noch spielen, muss dann aber sofort stoppen.
Der Stuhlschiedsrichter fragt nach, ob wirklich eine Challenge gemeint ist, und prüft, ob das Paar noch Anfragen übrig hat. Kommt die Anfrage zu spät oder ist sie offensichtlich unbegründet, darf er sie ablehnen.
In einer eigenen Kabine mit Blick auf den Court sitzt der Review Official mit einem Techniker. Er wählt die passende Kameraperspektive und meldet das Ergebnis per Funk an den Stuhl.
Die Szene läuft auf einem Bildschirm, den Schiedsrichter, Spieler und Publikum sehen. Der Stuhlschiedsrichter bestätigt oder korrigiert seinen ersten Ruf. Danach muss innerhalb von zehn Sekunden weitergespielt werden.
Während der Überprüfung dürfen die Spieler den Court nicht verlassen und keine Anweisungen von ihrem Coach bekommen. Zeigen Text und Bild auf dem Bildschirm unterschiedliche Ergebnisse, zählt laut Regelwerk das Bild vom Ballabdruck.
Boris‘ TippWenn du das nächste Profimatch im Stream schaust, achte mal darauf, wer die Challenge anzeigt. Oft ist es der Spieler, der näher an der Szene stand. Genau so solltest du es auch im Hobbymatch halten: Wer am nächsten dran ist, entscheidet über In oder Out. Das spart viele Diskussionen.
Jedes Paar hat beim Video Review im Padel zwei falsche Anfragen pro Satz. Gezählt werden nur Anfragen, mit denen das Paar falsch lag. Wer recht behält, behält auch sein Kontingent und kann theoretisch beliebig oft fordern. Die Regel ist elegant, weil du nur für einen Irrtum bezahlst.
Der Stuhlschiedsrichter korrigiert seine Entscheidung. Die Anfrage wird nicht abgezogen.
Die ursprüngliche Entscheidung bleibt bestehen, eine deiner zwei Anfragen ist verbraucht.
Lässt sich die Szene nicht klären, gilt die ursprüngliche Entscheidung. Die Anfrage wird keinem Paar abgezogen.
Ein Sonderfall: Kann der Stuhlschiedsrichter selbst überhaupt keine Entscheidung treffen, gibt er ein Let, und der Punkt wird wiederholt. Über die Zahl der verbleibenden Anfragen führt der Review Official Buch. Er ist dafür die letzte Instanz und meldet sich beim Stuhlschiedsrichter, sobald ein Paar nur noch eine Anfrage hat.
Die beste Challenge ist die, die du nicht brauchst. Wer jeden knappen Ball anzweifelt, verliert irgendwann die eine Anfrage, die wirklich zählt.
Boris BrodbeckDer vom CourtÜberprüfen lassen dürfen Spieler beim Video Review im Padel nur Tatsachenentscheidungen zu einem Spielpunkt, also was auf dem Court passiert ist. Regelauslegungen und Disziplinarentscheidungen wie eine Verwarnung wegen unsportlichen Verhaltens sind nicht anfechtbar.
Geprüft wird die konkrete Aktion, die angefochten wurde. Nur wenn der Stuhlschiedsrichter wegen einer außergewöhnlichen Situation selbst eine Überprüfung ansetzt, wird der ganze letzte Ballwechsel von Anfang bis Ende angeschaut. Diese Überprüfung zählt für keines der beiden Paare als Anfrage. Fußfehler beim Aufschlag darf der Review Official außerdem in Echtzeit beobachten.
Boris‘ Fehler der WocheWeiterspielen und erst nach dem Punkt reklamieren. Bei den Profis ist die Challenge dann weg, und unterbricht ein Spieler zu spät, kann er sogar den Punkt verlieren, wenn der Gegner dadurch behindert wurde. Im Hobbymatch gilt sinngemäß dasselbe: Sofort stoppen und ansprechen, nicht drei Ballwechsel später.
Wo das System im Einsatz ist, stellt die International Padel Federation zwei zusätzliche Schiedsrichter als Review Officials, bei mehreren Courts mit Video Review drei. Sie sind 20 Minuten vor dem ersten Match in der Kabine, testen die Technik beim Einspielen und verlassen ihren Platz erst, wenn das Match vorbei ist. Wer selbst einmal auf dem Stuhl sitzen will, findet den Weg dorthin im Beitrag Padel Schiedsrichter werden.
Padel hat kein Hawk-Eye, weil die kniffligen Situationen hier kaum Linienentscheidungen sind, sondern Wandsituationen. Tennis ist an dieser Stelle technisch weiter, löst aber ein anderes Problem.
Der Stuhlschiedsrichter entscheidet, die Technik hilft nur auf Anfrage. Strittig sind meist Glas, Gitter und Netz, nicht die Linien.
Elektronische Linienrichter rufen Out und Fault automatisch. Der Video Review ist für Ermessensentscheidungen da.
In Wimbledon ruft seit 2025 die Maschine jede Linie, die menschlichen Linienrichter wurden nach 148 Jahren abgeschafft. Seit 2026 gibt es dort zusätzlich auf sechs Courts einen Video Review, etwa für die Frage, ob ein Ball zweimal aufgesprungen ist. Australian Open und US Open arbeiten ebenfalls mit elektronischer Linienwahl und Video Review, während Roland-Garros zuletzt bewusst an menschlichen Linienrichtern festhielt, weil der Ball auf Sand einen lesbaren Abdruck hinterlässt.
Tennis hat die Aufgaben also sauber geteilt: Die Maschine ruft die Linien, der Mensch behält das Ermessen. Im Padel gibt es diese Teilung nicht. Traf der Ball zuerst den Boden oder das Glas? Ging er ans Gitter? War es eine Netzberührung? Ein System, das Linien ruft, hilft da wenig. Genau diese Wandsituationen machen Padel aus, wie du auch im Vergleich Padel vs Tennis siehst.
Im Tennis entscheidet die Maschine über die Linie. Im Padel entscheidet der Mensch, und der Video Review hilft nur, wenn ein Paar ihn anfordert.
Der Video Review im Padel ist schlank, fair und schnell: zwei falsche Anfragen pro Satz, endgültige Entscheidung, zehn Sekunden bis zum nächsten Punkt. Dir begegnet er nur auf der Profitour, im eigenen Match bist du weiter auf Fairplay angewiesen. Für Einsteiger lohnt sich das Wissen trotzdem, weil du Profimatches viel besser verstehst. Fortgeschrittene und ambitionierte Spieler lernen daraus etwas Wichtiges: sofort reklamieren oder gar nicht. Wer die Grundlagen noch einmal auffrischen will, findet sie in unseren Padel Regeln.
Ohne Video Review zählt im Hobbymatch jeder saubere Schlag. Den passenden Schläger und frische Bälle findest du bei uns.
Kann die Überprüfung die Szene nicht klären, bleibt die ursprüngliche Entscheidung des Stuhlschiedsrichters bestehen. Die Anfrage wird dem Paar in diesem Fall nicht abgezogen. Kann der Stuhlschiedsrichter selbst gar keine Entscheidung treffen, entscheidet er auf Let, der Punkt wird wiederholt.
Nein. Überprüft werden nur Tatsachenentscheidungen zu einem Spielpunkt, etwa ob der Ball vor dem Glas im Feld war oder ob ein Spieler das Netz berührt hat. Verwarnungen und Strafen nach dem Code of Conduct sowie Fragen der Regelauslegung sind ausgeschlossen.
Ja. Nach der Überprüfung bestätigt oder korrigiert der Stuhlschiedsrichter seinen Ruf, und diese Entscheidung ist laut Premier Padel Rulebook endgültig und unanfechtbar. Danach müssen die Spieler innerhalb von zehn Sekunden weiterspielen, sonst droht eine Strafe nach dem Code of Conduct.
Bei Hobby-Turnieren, in der Deutschen Padel Liga und bei der German Padel Series gibt es in der Regel keinen Video Review, weil die Technik fehlt. In Deutschland ist das System vor allem beim Premier-Padel-Turnier in Düsseldorf ein Thema, wo es für P2-Turniere empfohlen ist.
Ja, in außergewöhnlichen Situationen darf der Stuhlschiedsrichter den letzten Ballwechsel überprüfen lassen. Dann wird der ganze Punkt von Anfang bis Ende angeschaut. Diese Überprüfung zählt für keines der beiden Paare als Anfrage.
Die Bilder prüft der Review Official in einer eigenen Kabine am Court. Das Ergebnis wird auf mindestens einem großen Bildschirm gezeigt, den Stuhlschiedsrichter, Spieler und Zuschauer sehen können. Bei TV-Übertragungen läuft die Szene meist auch im Stream.
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