VAR-Raum beim Video Review im Padel mit Monitoren aus mehreren Kameraperspektiven

Video Review im Padel: So funktioniert der Padel-VAR

Ein Ball kratzt am Glas, und plötzlich hebt ein Spieler die Hand. Kurz darauf setzt der Schiedsrichter ein Headset auf, und auf den Großbildschirmen läuft die Zeitlupe. Der Video Review im Padel gehört auf der Profitour längst zum Alltag. Trotzdem kennen die wenigsten die Regeln dahinter. Deshalb klären wir hier, wie er abläuft, welche drei Ausgänge es gibt, wofür du ihn fordern darfst und warum Padel anders als Tennis weiter auf den Menschen setzt.

Was ist der Video Review im Padel?

Premier Padel hat den Video Review eingeführt, um den Stuhlschiedsrichter zu unterstützen. Auf Spanisch heißt er Revisión de Vídeo, und im Kern funktioniert er wie ein Challenge-System: Bei einer strittigen Situation fordert ein Paar die Überprüfung an, woraufhin die Aufnahme entscheidet. Eingesetzt wird er allerdings nur dort, wo die Technik verfügbar ist, also bei den großen Turnieren der Tour.

Interessant ist dabei, worum es meistens geht. Am häufigsten sind nämlich zwei Situationen: das In oder Out an der Glasscheibe und die mögliche Netzüberschreitung eines Spielers. Genau das sind die typischen Padel-Entscheidungen, die selbst aus zwei Metern Entfernung kaum sicher zu treffen sind.

So läuft ein Video Review ab

Sobald die Anfrage kommt, setzt der Stuhlschiedsrichter sein Headset auf. Danach spricht er mit dem Video-Schiedsrichter, der zusammen mit einem Techniker vor den Monitoren sitzt und die Szene aus den zahlreichen verfügbaren Kameras sucht. Ist das richtige Bild gefunden, folgt die Entscheidung.

Offiziell wird sie allerdings erst, wenn das Publikum sie sieht. Dafür sorgt der Würfel aus vier Großbildschirmen über dem Court, auf dem die Szene für alle gezeigt wird. Danach bestätigt oder korrigiert der Stuhlschiedsrichter seinen ersten Ruf. Diese Entscheidung ist endgültig und unanfechtbar. Anschließend muss binnen zehn Sekunden weitergespielt werden, ohne Diskussion.

Ein Detail unterscheidet das Ganze übrigens deutlich vom Fußball-VAR. Im Padel lässt sich nämlich nur die eine markierte Aktion prüfen, denn das System kann weder zurückspulen noch den weiteren Verlauf einbeziehen. Deshalb passt der Spitzname Instant VAR ziemlich gut.

Die drei möglichen Ausgänge

Die Regel dahinter ist elegant, weil du nur für einen Irrtum bezahlst.

Du hattest recht

Der Stuhlschiedsrichter korrigiert seine Entscheidung. Deine Anfrage wird dabei nicht angerechnet.

Du lagst falsch

Die ursprüngliche Entscheidung bleibt bestehen, und deine Anfrage ist verbraucht.

Das Bild ist unklar

Der Stuhlschiedsrichter entscheidet auf Let, der Punkt wird also wiederholt. Angerechnet wird die Anfrage nicht.

Üblich sind zwei Anfragen pro Paar und Satz. Wer also richtig liegt, behält sein Kontingent und kann theoretisch beliebig oft anfragen, solange er recht behält. Wer dagegen daneben liegt, ist schnell blank.

Wofür du den Video Review nutzen darfst

Hier gelten klare Grenzen. Überprüfen lassen darfst du ausschließlich einen Spielpunkt, niemals eine Disziplinarentscheidung. Eine Verwarnung wegen unsportlichen Verhaltens kannst du also nicht anfechten.

Zeitlich ist es ebenfalls eng. Die Anfrage muss unmittelbar nach der strittigen Szene kommen, und notfalls stoppst du dafür den Ballwechsel. Fällt die Situation ans Ende eines Spiels, bleiben dir maximal zehn Sekunden. Wer erst nach dem Seitenwechsel merkt, dass da was war, hat Pech.

Die Aufnahme selbst sehen übrigens nur der Schiedsrichter-Supervisor und der Judge Umpire, nicht die Spieler. Und in seltenen Ausnahmefällen darf auch das Schiedsrichterteam selbst eine Überprüfung ansetzen, dann allerdings ohne Zutun der Spieler. Wer die Rollen dahinter genauer verstehen will, findet sie im Beitrag Padel Schiedsrichter werden.

Warum Padel kein Hawk-Eye hat

Jetzt zur spannendsten Frage, denn Tennis ist an dieser Stelle viel weiter. In Wimbledon ruft inzwischen die Maschine jede Linie: Hawk-Eye Live verfolgt den Ball mit 18 Kameras pro Court und sagt Out oder Fault automatisch an. Die Linienrichter wurden 2025 nach 148 Jahren abgeschafft. Seit 2026 kommt auf sechs Courts zusätzlich ein Video Review dazu, allerdings nur für Ermessensentscheidungen wie den Doppelaufsprung. Australian Open und US Open handhaben es genauso, während Roland Garros bewusst an menschlichen Linienrichtern festhält, weil der Ball auf Sand einen lesbaren Abdruck hinterlässt.

Tennis hat die Aufgaben also sauber geteilt: Die Maschine ruft die Linien, der Mensch behält das Ermessen. Im Padel gibt es diese Teilung nicht. Hier entscheidet weiterhin der Mensch, und die Technik hilft nur auf Anfrage.

Das hat einen nachvollziehbaren Grund. Die kniffligen Situationen im Padel sind nämlich gar keine Linienentscheidungen. Stattdessen geht es um die Wand: Traf der Ball zuerst den Boden oder das Glas? Ging er ans Blech? War es eine Netzüberschreitung? Ein System, das Linien ruft, hilft dir dabei wenig. Genau diese Wandsituationen machen Padel aus, wie du auch im Vergleich Padel vs Tennis siehst. Solange die Technik dafür keine saubere Antwort hat, bleibt der Mensch auf dem Stuhl.

Häufige Fragen zum Video Review

Q

Wie viele Video Reviews hat man pro Satz?

Üblich sind zwei pro Paar und Satz. Liegst du allerdings richtig, wird die Anfrage nicht angerechnet.

Q

Was passiert, wenn das Bild unklar ist?

Dann entscheidet der Stuhlschiedsrichter auf Let, der Punkt wird also wiederholt. Deine Anfrage bleibt dabei erhalten.

Q

Wofür darf man den Video Review nicht nutzen?

Nie für Disziplinarentscheidungen. Überprüfen lässt sich ausschließlich ein Spielpunkt.

Q

Ist die Entscheidung endgültig?

Ja, sie ist unanfechtbar. Danach muss binnen zehn Sekunden weitergespielt werden, ohne Diskussion.

Q

Gibt es im Padel Hawk-Eye wie im Tennis?

Nein. Die Linien ruft im Padel weiterhin der Mensch, und die Technik unterstützt nur auf Anfrage.

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Regeln kennen zahlt sich aus

Der Video Review begegnet dir zwar nur auf der Profitour, die Regeln dahinter machen das Zuschauen aber deutlich spannender. Den kompletten Überblick findest du in unseren Padel Regeln, und wer selbst auf den Stuhl will, liest Padel Schiedsrichter werden.

Angaben zum Ablauf basieren auf Berichten von Premier Padel und den Turnier-Protokollen der Serien. Die genauen Regeln stehen nicht im öffentlichen FIP-Regelwerk und können je Turnier abweichen. Mehr zur Tour bei Premier Padel.