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Padel Schiedsrichter werden: So läuft die Ausbildung
Du kennst die Regeln besser als deine Mitspieler und fragst dich, wie man eigentlich Padel Schiedsrichter wird? Die Antwort überrascht viele: Die Ausbildung läuft nicht über den deutschen Verband, sondern international über die FIP, und der DPV übernimmt dabei sogar die Kosten. Trotzdem lohnt sich vorher ein ehrlicher Blick auf die Einsatzlage. Genau das klären wir hier: zuerst die Realität in Deutschland, danach Voraussetzungen, Kurs und Rollen, und schließlich die Frage, ob sich der Weg für dich überhaupt lohnt.
Brauchst du in Deutschland überhaupt einen Padel Schiedsrichter?
Fangen wir ehrlich an, denn diese Frage entscheidet über alles Weitere. In Deutschland sind Referees derzeit nur für Turniere der Serien FIP und Premier Padel zwingend notwendig. Bei allen anderen Wettbewerben sitzt dagegen schlicht niemand auf dem Stuhl, also weder bei den Turnieren der German Padel Series noch im Ligabetrieb. Dort klären die Spieler strittige Bälle unter sich.
Daraus folgt zweierlei. Einerseits gibt es hierzulande nur wenige lizenzierte FIP-Referees, und weitere befinden sich noch in der Ausbildung. Andererseits sind die Einsätze rar und praktisch immer international. Wer also Schiedsrichter wird, tut das nicht für den Heimatverein, sondern für die internationale Bühne.
Die Voraussetzungen für den Padel Schiedsrichter
Bevor du dich anmeldest, musst du fünf Bedingungen erfüllen.
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Mindestens 18 Jahre alt am Tag des Kursstarts
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Sehkraft von 20-20, natürlich oder korrigiert
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Normales Hörvermögen
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Der Mindestbildungsabschluss deines Heimatlands
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Eine gültige Lizenz deines Heimatverbands, also die DPV-Lizenz
Zwei Punkte übersehen dabei viele. Erstens brauchst du zwingend die Verbandslizenz, die beim DPV für Erwachsene 69 Euro im Jahr kostet. Zweitens kannst du dich nicht direkt bei der FIP anmelden. Die Registrierung läuft nämlich ausschließlich über den nationalen Verband, der die Kandidaten auswählt und meldet. Außerdem sind die Plätze knapp, denn jeder Kurs nimmt nur rund 20 bis 25 Teilnehmer auf.
So läuft der FIP-Kurs ab
Die FIP bietet mehrfach jährlich den Kurs International Padel Referee (Level 1) an. Er besteht aus sechs Modulen und läuft komplett online über Microsoft Teams. Dabei kombiniert er drei Elemente: angeleitetes Selbstlernen vor dem Unterricht, Live-Sitzungen mit zertifizierten Ausbildern und Aufgaben zu echten Spielsituationen. Die Anwesenheit ist dabei Pflicht.
Ein Punkt ist allerdings entscheidend: Die Kurse gibt es nur auf Englisch und Spanisch. Deutsch wird nicht angeboten. Ohne solides Englisch kommst du also nicht weit.
Am Ende steht eine Prüfung, und wer sie nicht besteht, hat bis zu zwei Versuche innerhalb eines Jahres. Danach folgt der Praxisteil, und genau der ist die eigentliche Hürde. Denn nach dem Theorieteil sind zwei Praktika bei internationalen Turnieren verpflichtend, bevor du die Aufgabe selbständig übernehmen darfst.
Finanziell sieht es dagegen erfreulich aus. Der DPV übernimmt nämlich bei erfolgreichem Abschluss die Kosten des Kurses. Damit ist die Ausbildung faktisch gratis, sofern du bestehst.
So läuft der FIP-Kurs ab
Je nach erreichtem Level berechtigt dich das Diplom zu vier verschiedenen Aufgaben.
Tournament Main Referee
Die höchste Schiedsrichter-Autorität bei offiziellen internationalen Turnieren, mit oder ohne Preisgeld.
Judge Umpire
Ebenfalls bei offiziellen internationalen Turnieren im Einsatz.
Chair Umpire
Der Stuhlschiedsrichter, der einzelne Spiele bei offiziellen nationalen Turnieren leitet.
Court Umpire
Unterstützt bei offiziellen nationalen Turnieren.
Der Chair Umpire ist dabei die Rolle, die du aus dem Fernsehen kennst. Schließlich sitzt er erhöht am Netz, zählt die Punkte, entscheidet strittige Bälle und leitet bei Premier Padel außerdem den Video Review ein.
Was verdient ein Padel Schiedsrichter?
Hier wird die Faktenlage dünn, und das solltest du wissen. Weder die FIP noch Premier Padel veröffentlichen ihre Sätze. Die einzige öffentlich kursierende Zahl stammt aus dem Jahr 2023: Demnach wird ein internationaler FIP-Schiedsrichter mit rund 700 bis 900 Euro zzgl. Mehrwertsteuer pro Turnierwoche vergütet. Ob das heute noch zutrifft, lässt sich allerdings nicht belegen.
Einordnen lässt sich die Zahl trotzdem. Sie entspricht global etwa den Zulagen, die im Tennis bei einem Future-Turnier gezahlt werden, also auf der untersten Profistufe. Zum Vergleich: Die Topverdiener unter den Stuhlschiedsrichtern der ATP-Tour liegen Berichten zufolge bei rund 350.000 Pfund im Jahr. Der Abstand ist also gewaltig. Vor allem zeigt er aber eines: Padel ist als Sport noch deutlich weniger professionalisiert als Tennis. Mit der weiteren Professionalisierung dürfte sich das jedoch verändern.
Lohnt sich der Weg zum Padel Schiedsrichter?
Als Beruf taugt es aktuell nicht, so ehrlich muss man sein. Die Einsätze sind rar, in Deutschland praktisch nicht vorhanden, und die Vergütung liegt am unteren Ende des Profisports. Wer davon leben will, ist im Padel falsch.
Dafür sprechen allerdings drei Dinge. Erstens kostet dich die Ausbildung nichts, weil der DPV zahlt. Zweitens öffnet sie dir die internationale Bühne, denn schon deine Praktika absolvierst du bei echten FIP-Turnieren. Und drittens wächst der Sport rasant, weshalb die Nachfrage nach lizenzierten Referees eher steigen dürfte. Wer den Sport also liebt, die Padel Regeln beherrscht und Englisch spricht, findet hier einen ungewöhnlich günstigen Einstieg in eine sehr kleine Gruppe.
Interesse? Dann führt dein Weg über den DPV, denn die Anmeldung läuft ausschließlich über die Geschäftsstelle.
Häufige Fragen zum Padel Schiedsrichter
Q
Was kostet die Ausbildung zum Padel Schiedsrichter?
Der DPV übernimmt die Kurskosten bei erfolgreichem Abschluss. Du brauchst allerdings eine gültige DPV-Lizenz, die für Erwachsene 69 Euro im Jahr kostet.
Q
Wie lange dauert die Ausbildung?
Der Kurs umfasst sechs Module und läuft über mehrere Wochen. Danach kommen noch zwei verpflichtende Praktika bei internationalen Turnieren dazu.
Q
Brauche ich Englisch oder Spanisch?
Ja. Die FIP bietet die Kurse ausschließlich auf Englisch und Spanisch an, eine deutsche Variante gibt es nicht.
Q
Kann man vom Padel-Schiedsrichten leben?
Nein. Die Einsätze sind zu selten und die Vergütung zu niedrig. Es ist eine Nebentätigkeit aus Leidenschaft, kein Beruf.
Q
Braucht mein Turnier einen Schiedsrichter?
Nur wenn es zur FIP- oder Premier-Padel-Serie gehört. Bei allen anderen deutschen Turnieren regeln die Spieler strittige Bälle selbst.
— Padel4Players Shop
Erst die Regeln, dann der Stuhl
Egal ob du auf den Stuhl willst oder einfach sicherer spielen: Regelkenntnis lohnt sich in jedem Match. Den kompletten Überblick findest du in unseren Padel Regeln, und wie sich der Sport vom großen Bruder unterscheidet, liest du in Padel vs Tennis.
Angaben zu Ausbildung, Voraussetzungen und Rollen basieren auf den Informationen des Deutschen Padel Verbands und der FIP. Die genannte Vergütung stammt aus einem Bericht von 2023. Alle Details zur Anmeldung beim Deutschen Padel Verband.
Über Boris Brodbeck
Boris Brodbeck hat Padel4Players mitgegründet, weil er beim eigenen Schlägerkauf gemerkt hat, wie unübersichtlich der deutsche Markt ist. Heute testet er regelmäßig Schläger, tauscht sich mit Trainern und Clubs in der Region Stuttgart aus und begleitet die wachsende Padel-Community in Baden-Württemberg. Im Blog teilt er dieses Wissen in Form von Kaufberatungen, Serien-Tests und Ratgebern rund um Technik und Ausrüstung.
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